Emilian Luca, unser sechstes Enkel ist geboren

13. März 2009

Heute am Freitag den 13. März wurde Emilian Luca geboren. Sohn von Samuel & Andrea. Wir, die Grosseltern,  freuen uns auch über den Nachwuchs.

Übrigens: Für meine Mutter war der 13. ein Glückstag. Am 13. wurde ich geboren. Am 13. unsere jüngste  Tochter und am 13. zwei unserer Enkel. Gott hat den 13. geschaffen wie den 12. und den 14.!

Nach Reinhard Mey singen wir:  “Ankomme Freitag, den 13. um  14.00 Uhr Christine 14.30h Emilian!”

Länge 51cm, Kopfumfang 35cm, Gewicht 3.340g.

Die glücklichen Großeltern, Angelika & Joachim

Wer außer den sechs, unten stehenden Fotos, noch mehr sehen möchte, gehe auf den folgenden Link: Emilian Luca im Krankenhaus

glucklich-geschafftemilian-lucaandrea-hat-es-hinter-sichsamuel-glucklicher-vateremilian-luca-endlich-ruheoma-und-opa-mit-emilian-luca


SAMUEL – Gebetserhörung

21. Februar 2009

Samuel Stöbis

samuel04Am 16.08.1980 kam dann in Gmunden noch Samuel zu unserer Mirjam hinzu. Den Namen für ihn durfte diesmal Angelika aussuchen. Nachdem Christian gestorben war, wünschten wir uns natürlich einen weiteren Sohn. Wir wussten, das dieses Kind, kein “Ersatz” sein konnte für eines, das gestorben war. Nun hatten wir ein weiteres Kind und es war sogar ein Sohn. Samuel bedeutet: Vom Herrn erbeten. Samuel war also unsere Gebetserhörung. Nun hatte Mirjam einen Bruder. Mirjam übernahm auch ihre Rolle als große Schwester ein, was man an vielen Fotos sehen kann, wo sie Samuel an der Hand hat.

Samuel hatte einen sehr ausgeprägten Eigenwillen. Auf dem Gelände der Villa Clusemann befand sich auch ein Swimmingpool. Samuel – vielleicht drei Jahre alt – stürzte sich eines Tages hinein, obwohl er nicht schwimmen konnte. Als wir ihn “gerettet” hatten und er wieder am “Ufer” stand, war er wütend, weil er nicht schwimmen konnte. Wir dachten, dass er jetzt fürs erste genug hatte von seinen eigenwilligen Schwimmversuchen, aber dem war nicht so, denn er stürzte sich gleich wieder ins Wasser. Es dauerte nicht lange bis er schwimmen konnte.

In der Schule ging es ähnlich weiter. Bei der Rechtschreibung hatte er – wie sein Vater – seinen eigenen Kopf. Für viele Worte hatte er eine eigenwillige Schreibweise. Auch mit dem Wortschatz war das so eine Sache. Nicht dass er unter Wortfindungsstörungen litt, nein, er liebte eigene Wort – Kreationen.

Er ging uns nicht verloren wie Mirjam, vielleicht auch deshalb, weil Mirjam ihn immer im „Schlepptau“ hatte.

Alles hat seine Zeit – ruhen in Jesus

In diesen Zeiten entdeckte ich die Biographien von Menschen, die im Reich Gottes besonders prägend mitgewirkt haben. Früher hatte ich gern die spannenden Erzählungen der Readers Digest Auswahlbände gelesen. Nun entdeckte ich, dass diese, auch wenn sie sehr interessant zu lesen waren, mir aber letztendlich nicht auf meinem Weg weiter halfen.

Ich entdeckte, dass im Leben dieser Männer und Frauen auch nicht alles glatt gelaufen war. Dass sie nach Antworten rangen, die sie in eine tiefere Reinheit und in eine tiefere Beziehung zu Christus führten. Dies entsprach auch meiner inneren Sehnsucht. Soweit ich mich erinnern kann, las ich als erste Biographie das Lebensbild von Hudson Taylor. Mich faszinierte, wie er sich nach Gottes klaren Ruf nach China zu gehen, über viele Jahre auf seinen Dienst vorbereitete. Er erlebte in dieser Zeit erstaunliche Gebetserhörungen, die auch dadurch möglich wurden, weil er warten konnte. In China, am Ziel seines Auftrages angekommen, geriet er jedoch immer mehr in eine Krise, die seinen Dienst lähmte. Was war los? Er selber schreibt in einem Brief an seine Schwester:

17. Oktober 1869:

Meine liebe Schwester.

Die vergangenen Monate waren vielleicht die glücklichsten meines Lebens. Vielleicht muss ich etwas zurückgreifen. Während der letzten sechs oder acht Monate war meine Seele sehr bedrückt, weil mir das Bedürfnis nach mehr Heiligung, Leben und Kraft sowohl meiner eigenen Seele, als auch der ganzen Mission bewusst war. Ich fühlte die Undankbarkeit, die Sünde, die Gefahr eines Lebens, das nicht enger mit Gott verbunden war. Ich betete, quälte mich ab, fastete und mühte mich, fasste Vorsätze, las die Schrift fleißiger, suchte mehr Zeit zu innerer Sammlung – doch alles ohne Erfolg. Täglich, beinahe stündlich bedrückte mich das Bewusstsein der Sünde. Ich wusste, dass alles in Ordnung sein würde, wenn ich nur in Christus bleiben könnte, aber ich konnte nicht. Ich begann den Tag mit Gebet, entschlossen, Jesus keinen Augenblick aus den Augen zu verlieren. Aber die Pflichten und Anforderungen, beständige Unterbrechungen, die ja so ermüden, ließen mich ihn oft vergessen.

Jeder Tag brachte ein Register an Sünden, Versagen und Kraftlosigkeit. Das Wollen war bei mir wirklich vorhanden, aber das Vollbringen war mir unmöglich

Dann kam die Frage: “Gibt es dafür keine Rettung?”

Während der ganzen Zeit war ich mir klar darüber, dass in Christus alles zu haben war, was mir fehlte. Aber wie sollte ich es von ihm bekommen, das war die praktische Frage. Als mir langsam ein Licht aufging, erkannte ich, dass der Glaube das einzig Erforderliche ist, seine Fülle zu ergreifen, um sie sich anzueignen. Aber ich hatte diesen Glauben nicht! Ich kämpfte darum, gewann ihn aber nicht. Ich versuchte ihn zu üben, aber umsonst.

Als mein Seelenkampf seinen Höhepunkt erreicht hatte, gebrauchte Gott einen Satz aus einem Brief meines lieben McCarthy, um die Schuppen von meinen Augen zu nehmen Er schrieb: “Wie kann mein Glaube gestärkt werden? Nicht, indem ich um Glauben ringe, sondern indem ich in Jesus ruhe.”

Als ich das las, wurde mir alles klar. “Glauben wir nicht, so bleibt er doch treu!”

An anderer Stelle sagt Hudson Taylor: „Wir brauchen nicht einen großen Glauben, sondern Glauben an einen großen Gott.“

„Nicht, indem ich um Glauben ringe, sondern indem ich in Jesus ruhe.”

Das war ein Gedanke, der auch meinem Leben Ruhe gab. Jesus weiß doch alles, was mich beschäftigt. Mein Glaube ist also nicht Leistung, die ich erbringen muss. Hinge Glaube von unserer Leistung ab, würde es bedeuten, dass Gott nur dann eingreifen kann, wenn ein Mensch die richtige Glaubensleistung erbracht hat. Das kann doch nicht sein. Glaube ist vertrauensvolles Ausruhen in Jesus. Die Gewissheit, dass er mich durch alle Hindernisse und Widerwärtigkeiten führt bis ich eines Tages in der Gemeinschaft mit ihm am Ziel bin.

Dann las ich das Lebensbild von Georg Müller und vielen anderen. Was hatten diese Männer alles im Reich Gottes geleistet! Welchen Glauben besaßen sie!

Ich hatte den Eindruck, dass ich manche Dinge nicht begreife oder anders gesagt, dass ich sie zwar begreife, aber nicht dauerhaft im Leben verwirkliche. Letztere war mir ein großes Problem.


DANIEL – Krebs – Neuroblastom – und…..

21. Februar 2009

Daniel Stöbis

daniel021Nach Samuel wurde Daniel geboren. Wir nannten ihn Daniel Christian, denn er hatte den gleichen Haarwirbel wie unser erstes Kind. Auch sonst sah er ihm sehr ähnlich, so dass wir meinten mit Daniel gäbe Gott uns unser erstes Kind noch einmal.

Doch mit Daniel fing eine neue Lebens- bzw. Leidensschule Gottes für uns an: Es begann im Mai 1984: Daniel hatte keinen Appetit mehr. Was war jetzt los?

Aus dieser Zeit habe ich einige Tagebuchaufzeichnungen.

27.05.1984 Heute sind wir mit Daniel zum Arzt gegangen. Daniel war die letzten drei Wochen müde und krank und hat innerhalb von 10 Tagen 1 Kilo abgenommen. Der Arzt konnte jedoch nichts feststellen.

28.05.84. Angelika und ich sind heute mit Daniel nach Salzburg ins Krankenhaus gefahren. Dort fielen Not, Kummer und Sorgen über uns her. Was ist mit unserem Kind los? Hat Daniel einen Darmverschluss? “Warum kommen sie erst jetzt”, war die vorwurfsvolle Frage. Was sollten wir sagen, denn wir waren bisher bei zwei Ärzten gewesen. Weil diese uns nichts Konkretes sagten, gingen wir davon aus, dass es kein großes Problem ist.

Aber in Daniels Unterleib befindet eine große Geschwulst. Was bedeutet das? Ich wagte nicht zu denken, dass es Krebs sein könnte. Daniel ist jetzt 16 Monate alt und er soll Krebs haben? Sein Blutbild ist sehr schlecht. Er bekam eine Infusion und soll auch eine Bluttransfusion bekommen.

Herr, Deine Wege sind schwer zu verstehen. Wir schwanken zwischen Hoffen und Verzweifeln.

Daniel streckt seine Hand zu uns aus. Wir möchten sie nehmen, ihn an uns drücken, wir können es nicht. Ach Herr, warum, warum? So lassen wir ihn zurück. Ich bin dankbar mit Angelika zu sein! Wir weinen und trösten uns gegenseitig.

Als wir am Abend im Krankenhaus anriefen sagte der Arzt, dass Daniel Krebs hat. Vielleicht ein WilmsTumor. Die linke Niere bestand nur noch aus Krebsgewebe. Daniel sollte diese Woche noch operiert werden. „Herr hilft, du bist unsere letzte Rettung“, beteten wir und mit uns beteten viele andere für ihn.

Dabei hatte doch alles so harmlos angefangen! Die Ärzte, zu denen wir gegangen waren und die wir auf die Appetitlosigkeit bei Daniel ansprachen, hatten nur gemeint: “Geben sie ihm, was er mag”, doch das war nicht genug. Als es zur Einweisung ins Spital kam, heiß die Diagnose plötzlich Neuroblastom!

Zur Erklärung: Das Neuroblastom ist mit sieben bis acht Prozent aller Krebserkrankungen im Kindesalter die zweithäufigste bösartige Neubildung bei Kindern. Vom autonomen Nervengewebe – der embryonalen Neuralleiste – ausgehend handelt es sich um einen Tumor, dessen Zellen in einem unreifen Stadium verblieben sind. Er ist vor allem in den Nebennieren, entlang der Wirbelsäule, im Kopf- im Hals- und Nackenbereich sowie im Brust- Bauch- und Beckenraum anzutreffen. Eines von 5000 Kindern ist davon betroffen.

Wo war Gott?

Wahrer Trost

Wieder waren wir hilflos der Frage ausgeliefert: Was sollen wir tun? Eine Mitarbeiterin, die gerade zu dieser Zeit die Freizeitleitung hatte, kam auf uns zu. Sie kannte einen Mann in Brüssel, der für eine Bekannte von ihr, die lange krank gewesen war, gebetet hat und diese Bekannte wäre seit dieser Zeit gesund. Ob sie in Brüssel anrufen und von uns erzählen dürfte? Wir waren damit einverstanden. Aus jeder Hoffnung schöpft man Trost! Nun war dieser Mann aber nicht in Brüssel. Es hieß, er sei in Paris. Es stellte sich aber heraus, dass er auch nicht in Paris war, sondern irgendwo anders in Frankreich.

Die Familie der Bekannten in Brüssel fasteten und beteten daraufhin einen Tag, mit dem Ziel, dass dieser Mann bei ihnen anriefe, damit sie ihm unsere Geschichte erzählen könnten; und tatsächlich, er rief an, da er „schon den ganzen Tag an sie denken musste“ und wissen wollte, was los wäre.

Die Familie erzählt ihm unsere Geschichte und er entschloss sich, zu uns nach Österreich zu kommen, um in Salzburg im Spital für Daniel zu beten. Die ganze Sache, wie alles zustande gekommen war, war für uns ein Wunder! Und so war unsere weitere Hoffnung: Wenn Gott bisher so viel Wunder getan hatte, würde er doch auch an unserem Kind ein Wunder tun, dachten wir. Ich selber habe in diesen Tagen gefastet. Vom Marseille kam der Mann mit dem Flugzeug nach Salzburg. Er betete einige Minuten an Daniels Bett für dessen Genesung, dann teilte er uns mit das unser Kind geheilt wäre. Eine Veränderung an seinem Körper sahen wir jedoch nicht.

Anschließend erzählte er uns im Beisein von einigen Freunden, dass die Jünger Jesu, bis auf Johannes, alle in Sünde gelebt hatten. Das wäre auch die Ursache dafür, dass sie alle den Märtyrertod gestorben wären. Ein gehorsame Christ wäre gesund wie Mose, der im Alter von

120 Jahren gestorben war und dabei ganz gesund gewesen war.

Irgendetwas stimmte mit diesem Mann nicht. Uns kam die Sache eigenartig vor. Am nächsten Morgen rief ich im Spital an, ob unser Kind gesund wäre. Der Arzt erklärte mir: „Herr Stöbis, es tut mir leid, aber es ist alles beim Alten. Ihr Kind ist nicht geheilt worden.“

Für mich war dies das Todesurteil für Daniel. Was konnte jetzt noch Trost geben? Ich hatte Angst keinen Trost mehr zu finden.

Ich lag auf meinem Bett und nichts und niemand konnte mich mehr trösten, so verzweifelt war ich. Dann sagte ich: “Herr, ich weiß, dass du lebst, aber gib mir ein Zeichen Deiner Nähe.” Auf meinem Nachtkasten lagen die Losungen. Ich schlug sie wahllos auf und mein Blick fiel auf das Wort: „Ich will dich trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13)

Ein besseres Wort konnte Gott mir in dem Augenblick nicht geben. Er selbst wollte mich trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Ich musste den Vers ein paar Mal lesen. Wie tröstet eine Mutter ihr Kind? Sie nimmt es auf ihren Arm, legt es an ihre Brust und gibt ihm zu trinken. Langsam begann ich ruhig zu werden. Gott war mir nahe und er würde mir auch weiterhin seine Nähe geben.

Aber was war das für ein Mann, der zu uns gekommen war? Erst hatte er uns gesagt: „Daniel ist gesund!“ Nun, er betete weiter, das sprach für ihn. Er konnte nicht verstehen warum Daniel nicht sichtbar gesund geworden war. „Da muss ein Fluch von einem Menschen in der Nähe ausgesprochen worden sein“, meinte er schließlich, aber, wir sollten auf jeden Fall an dem Glauben an Heilung festhalten. Wir sollen uns nicht blenden lassen von Daniels dickem Bauch. Denn da wäre „kein Krebs mehr drin“.

Der Mann war, wie es in christlichen Kreisen klassifiziert wurde, ein Charismatiker. Seine Beteuerungen stellten sich als leere Worte (ich empfand es als Lügen) heraus. Er hatte in mir riesige Hoffnungen geweckt und jetzt waren alle Hoffnungen wie eine Seifenblase zerplatzt. In der Folge hörte ich noch mehr Seifenblasengeschichten. Leider ging es manches Mal soweit das den verzweifelten Hilfe suchenden Menschen mangelnder oder gar fehlender Glaube vorgeworfen wurde, wenn die Heilung nicht so eintraf wie sie der Charismatiker vorausgesagt hatte. Also: Ihr seid selber schuld, wenn euer Kind nicht geheilt wurde.

Wie denke ich heute über diese Gruppe Menschen? Sie möchten Jesus mit ganzem Herzen folgen. Sie trauen ihm jedes Wunder zu. Aber sie prüfen zu wenig, ob das was christlich aussieht auch der biblischen Wahrheit entspricht. Und sie leben ihr Christsein manchmal so, als wenn man Gott mit der richtigen Methode oder dem richtigen Tun in den Griff kriegen könnte. Gott muss nicht Handeln, wenn wir im Glauben beten. Gott lässt sich durch nichts und niemand zwingen. Gott ist frei in seinem Handeln. Wenn wir beten sollte Gottes Wille immer die höchste Priorität behalten.

Kehren wir zurück:

Wir lernten aus der Situation. Wir wollten nie wieder einen reisenden Heiler zu uns kommen lassen. Die Bibel sagt: Ruft die Ältesten der Gemeinde, die sollen den Kranken salben und für ihn beten. Damit verspricht Gott nicht eine automatische Heilung. Aber für uns war es wichtig den Gott gewollten Weg einzuschlagen. Wir haben später, in einer anderen Notsituation, die Ältesten geholt.

Aber noch waren wir in einem Schockzustand! Seit der Diagnose Krebs waren erst ein paar Tage vergangen

Samuel hatte in Daniel bereits einen Spielgefährten gefunden! Würde Gott ihm den wieder nehmen? Wir konnte nicht begreifen, was da geschah und unsere Gedanken überschlugen sich. Nur nach und nach begriffen wir, das das Ganze nicht ein böser Traum war sondern Realität.

Ich begann mich erneut mit dem Buch Hiob zu beschäftigen. Fünf Jahre waren seit Christians Tod vergangen. Jetzt stand alles wieder lebendig vor uns und wir gingen noch einmal durch dieses Tal. Gott hatte uns eine Wunde zugefügt. Sie war nach und nach verheilt, jetzt schlug er genau in dieselbe Kerbe und öffnete sie neu. War Gottes Liebe hart? Sollte das Liebe sein, die verheilte Wunden wieder aufriss?

Wie gut, das es das Buch Hiob gibt. Ich nahm es erneut zur Hand und las weiter in Kapitel 38,1. „Und der Herr antwortete Hiob aus dem Wettersturm.“ Endlich, nach 37 langen Kapiteln des Wartens und Redens gab Gott eine Antwort. Aber was war das für eine Antwort für jemand, der Notzeiten durchmachte? Wieder wühlte es in mir.

Nun, Gott wird sich schon was dabei gedacht haben, wenn er so mit Hiob redete und nicht anders. Keinerlei Mitleid Gottes mit Hiob war spürbar. Er redete mit ihm von Mann zu Mann. „So Hiob, jetzt stell dich mal gerade hin. Schnall den Hosengürtel fest und dann werde ich dir auch einmal ein paar Fragen stellen.“ Und dann redete Gott zu Hiob, während die Blitze zuckten und die Donner krachten. Und Hiob verstand Gott.

38, 4: Wo warst du als ich die Erde gründete?

38, 5: Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat?

38, 8: Wer hat das Meer mit Toren verschlossen?

38,12: Hast du zu deiner Zeit dem Morgen geboten?

38,16: Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen?

38,18: Hast du erkannt, wie breit die Erde ist?

38,31: Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden?

38,32: Kannst du die Sterne des Tierkreises aufgehen lassen?

38,33: Weißt du des Himmels Ordnungen?

38,34: Kannst du deine Stimme zu der Wolke erheben, dass es regnet?

38,35: Kannst du die Blitze aussenden?

38,39: Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben?

Jede Frage muss Hiob wie ein Donnerschlag getroffen haben. Da redete kein alter Opa mit zittriger Stimme zu ihm. Da redete einer zu ihm der uneingeschränkte Autorität besitzt. Der erwartet, dass ihm vertraut wird, weil er absolut vertrauenswürdig ist. Da redete einer, der weiß, dass er Hiob keinerlei Unrecht getan hat und keine Rechenschaft schuldig ist.

Was hatte Hiob erwartet? Einen Gott, der sich bei ihm entschuldigt, weil er entdeckt hat, einen Fehler gemacht zu haben? Nein. Gott macht nie einen Fehler. Aus dieser Position heraus kommt Gott zu Hiob und stellt ihn zur Rede. „Wo warst du?“ So fragt man ein Kind, wenn es nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause gekommen ist. In dieser Frage liegt ein Vorwurf. So einen Vorwurf kann man auch einem Mitarbeiter machen, der einen ganz wichtigen Termin verschlafen hat. Wo warst du? Und so fragt Gott.

Was mich wunderte war die Tatsache, dass Gott mit keinem Wort auf das Elend des Hiob einging. Als wenn es das Elend nicht gegeben hätte. So stellte ich mir einen „lieben Gott“ nicht vor. Aber ist uns bewusst was wir tun, wenn wir Gott Vorwürfe machen? Wir stellen uns auf die Stufe Gottes. Und Gott geht genau darauf ein. Hiob38, 4: „Wo warst du (Gott Hiob) als ich die Erde gründete? Wir hatten doch ein ganz großes Vorhaben. Etwas, was es noch nie vorher gegeben hat. Wir wollten die Erde schaffen und mit ihr das ganze Weltall. Wir wollten die Erde zu etwas ganz besonderen machen, aber als es darauf ankam sie zu schaffen, da warst du nicht da. He, Hiob, wo warst du denn? Warum hast du den Termin verschlafen!“

Als ich die Fragen Gottes an Hiob las, wurde ich stutzig. Ich ließ mir diese Fragen Gottes persönlich stellen: Wo war ich, als Gott die Erde gründete? Ich war nicht da. Es gab mich noch nicht. Wer bin ich? Ich bin nur ein Glied in einer langen Kette. Ich weiß nur, dass Gott am Anfang Himmel und Erde schuf, aber die Zusammenhänge, wie es zur Schöpfung kam, sind mir ein Geheimnis. Ich kann mich noch so anstrengen, ich kann das Geheimnis nicht ergründen.

Und Gott geht weiter in seinen Fragen: Wer hat das Meer mit Toren verschlossen. Ja wer? Du etwa Hiob? (Ich etwa?) Wer hat bestimmt, wo sich seine stolzen Wellen legen? Es war ungemütlich, sich diesen Fragen aus zu setzen. Gott schuf Ordnung in seiner Schöpfung, er hat bestimmt, dass das Meer Grenzen hat. Aber wie hat er das gemacht? Wir reden von Naturgesetzen, aber wer hat diese Gesetze festgelegt? Wie sind die Naturgesetzte entstanden? Also, selbst das für Hiob und mich Sichtbare wie das Meer und die Küste bergen Geheimnisse, die wir nicht beantworten können.

Warum geht die Sonne im Osten auf und im Westen unter? Warum besteht diese feste Ordnung? Die Erde könnte doch auch ein taumelnder Ball sein, auf dem die Wasser der Meere hin und her schaukeln. Ein Ball ohne feste Grenzen. Die Küsten können mal hier und mal dort sein und Sonne könnte mal im Osten oder Westen oder sonst wo aufgehen.

„Hiob und Joachim das beantwortet mir mal, belehrt mich, ich höre zu“ – sagt Gott.

Hiob kann nur sagen: „Herr ich habe nicht bestimmt, wo die Sonne aufgeht ich war nicht dabei als diese Ordnung geschaffen wurde. Ich weiß nur, dass es diese Ordnung gibt. Aber wie sie entstanden ist, das weiß ich nicht.“

Gott fragt unerbittlich weiter:

Warst du schon auf dem Grund des Meeres? Kennst du die Quellen des Meeres? Woher kommt das viele Wasser? Ja Hiob, selbst auf der Erde gibt es Plätze wo du nicht hingehen kannst. Oder kannst du auf dem Meeresgrund spazieren gehen? Für mich dagegen, gibt es kein Geheimnis. Ich komme überall – auch ohne Technik – hin. Und du Hiob? Und du Joachim?

Dann wird es noch schwieriger. Gott verlässt in seinem Fragen den für Hiob sichtbaren Bereich, die Erde, und lässt ihn (und mich) einen Blick in das All werfen. Zum ersten Mal fragt er: „Kannst du, kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden?“ Wenn Gott fragt: “Kannst du?”, dann kann Hiob nur wahrheitsgemäß antworten: “Herr, ich kann nicht.” Ich kann nicht die Sterne des Siebengestirns zusammenbinden und den Gürtel des Orion auflösen. Ich kann nicht zusammenbinden und auflösen. Ich kann noch so grübeln – es wird wie mit meiner Not bleiben – ich werde keine Lösung finden.

Die Fragen Gottes trafen mich. Es waren nicht nur Fragen Gottes an Hiob, sondern auch an mich. Sind diese Fragen Gottes nicht deprimierend? Meint Gott es so: „Na Kleiner, was willst du denn?“ Ja und nein. Ja, weil wir an der Größe Gottes gemessen, wirklich klein sind. Nein, weil Gott ein wirkliches Interesse an uns hat und auch daran uns zu helfen. Er macht sich nicht lustig über uns oder gar unsere Not. ER freut sich auch nicht darüber, wenn wir in Not sind! Hiob erkennt hinter den Fragen Gottes mehr. ER muss Gottes Fragen mit “Ich war nicht dabei, ich kann das Geheimnis nicht ergründen, ich kann nicht – ich weiß nicht“ beantworten, aber Gott ist größer, er kann sagen: “Ich war dabei, ich kenne das Geheimnis, Ich kann – ich weiß!”

Und einer, der “kann” und “weiß”, für den gibt es kein “Warum”, weil er die Antworten kennt. Einer, der Sternbilder zusammenbinden und auflösen kann, der kennt kein “Warum”. Der hat auf jede Frage nach dem “Warum” auch des Leides eine Antwort. Gott wusste, wie das Leid des Hiob zu wenden war. Unser Problem ist, dass wir immer wieder zu “klein” denken. Wenn wir dann nicht zu Gott flüchten, bleiben wir in dem “zu klein” hängen. Unser noch größeres Problem ist aber, dass wir von Gott schlecht denken. Wir vertrauen ihm nicht wirklich. Wir vertrauten ihm nicht wirklich, dass er es gut mit uns meint und meinte. Ich glaube wir werden uns noch einmal alle sehr darüber schämen, dass wir Gott nicht vertraut haben.

Gott sehen

Wenn wir mit dem Auto von Amsterdam nach Berlin fahren wollen, dann schauen wir auf die Karte und wählen die günstigste Route auf der Autobahn. Wir können aber auch mit dem Zug fahren oder ein Flugzeug benützen. Wir haben Ziele und versuchen sie zu erreichen. Das sind nicht nur Reiseziele sondern viel mehr Lebensziele

Gott hat auch Ziele für unser Leben. Er schickt uns auf die Reise und er geht mit uns mit! Aber er benutzt, um geistliche Ziele mit uns zu erreichen, eher selten einen Zug. Oft heißt das Transportmittel, mit dem er uns am nachhaltigsten seinen Zielen näher bringt, LEID. Vielleicht hatte Hiob früher gebetet: „Herr, ich möchte dir noch viel näher sein, so nah, wie es nur möglich ist. Herr ich sehne mich nach dir. Ich weiß viel zu wenig davon, wie du wirklich bist. Ich sehne mich danach, dich zu sehen!“ Vielleicht war das der Grund, warum Hiob das Leid durchleben musste. Nur so konnte Gott ihm ganz und gar nahe kommen. Nur so konnte Hiob sagen: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber nun hat mein Auge dich gesehen:“ Das hätte Hiob durch alle guten Zeiten hindurch nie zu Gott gesagt. Nur durchs Leid lernte Hiob Gott sehen.

Denken wir nicht oft viel zu klein von Gott und vertrauen ihm nicht? Gott möchte uns aber helfen. Er möchte, dass wir ihn kennen lernen, wie er wirklich ist. Das ist die größte Hilfe, die er uns schenken kann.

Es reicht ihm nicht, dass wir ihn nur so vom Hörensagen kennen, also über eine dritte Person. Er möchte eine persönliche Beziehung zu uns haben, so wie ein Bräutigam zu seiner Braut. Um dieses Ziel zu erreichen, geht er aber SEINE WEGE mit uns die wir nur im Rückblick als die allerbesten Wege für uns erkennen können.

Doch zunächst erleben wir diese Wege nur als LEID. Gott riskiert dabei, dass wir seinen Weg und somit ihn nicht verstehen. Weder wir selber noch unsere besten Freunde können verstehen. Er riskiert, dass wir wütend auf ihn werden, das wir über ihn schimpfen, ja sogar sehr zornig über ihn werden. Er gesteht uns diese Reaktionen zu. Er riskiert, dass wir an seiner Liebe zweifeln, ja dass wir vielleicht sogar an ihm verzweifeln. Aber er kennt das Ziel und den Weg da hin. Er weiß, dass wir durch alle guten Zeiten ihm nie so nahe kommen würden wie durch das Leid. Er weiß, dass wir ihn nur auf diesem Weg wirklich kennen lernen. Am Ende des Weges fangen wir langsam zu verstehen an. Wir beginnen zu verstehen, dass Gott in seiner Allmacht Wege mit uns gegangen ist, die zunächst nur aus seiner Sicht einen Sinn hatten.

Von Gott zugelassenes Leid ist sinnvoll. Eines Tages werden wir seine, für uns jetzt noch verborgenen, Wege erkennen und sogar dankbar dafür sein. Durch viel Leid habe ich erkennen dürfen, wie wichtig es ist, ihm zu vertrauen und wie schrecklich es wäre, wenn wir ihm misstrauen. Aber, wir alle stehen in der Gefahr, die Wege zu verweigern, die die Besten für unser Leben sind.

Gott kennt die Antwort

Warum gab Gott dem Hiob keine Antwort auf das Warum? Stellen wir uns vor, er hätte es getan und hätte ihm eine Antwort gegeben. Stellen wir uns vor Gott hätte zu ihm gesagt: “Ja, Hiob, das war so:

6. Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor mich traten, kam auch der Satan unter ihnen.

7. Ich aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete mir und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen.

8. Ich sprach zu Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.

9. Der Satan antwortete mir und sprach: Meinst du, das Hiob dich umsonst fürchtet?

10. Hast du doch ihn, sein Haus und alles was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande.

11. Aber strecke deine Hand aus und taste an, was er hat: was gilt’s, er wird dir ins Angesicht absagen!

12. Da sprach ich zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan von mir hinaus.

„Ja und dann hat Satan dir alles weggenommen, wie ich ihm erlaubt habe, auch deine Gesundheit, nur dein Leben nicht.“ Würde Hiob diese Antwort geholfen haben? Hätte sie ihn nicht eher zornig gemacht? Wäre er sich nicht wie ein Spielball der Mächte vorgekommen die sich irgendwas miteinander ausgeredet haben? Und wenn man das Buch Hiob liest liegt der Gedanke an Hiob, als Spielball, nicht sehr nahe

Wir schreien zwar nach einer Antwort nach dem Warum, aber ich denke, dass es sehr gut ist, wenn uns Gott die Antwort auf diese Frage oft nicht sofort gibt.

Die Ärzte konnten Daniel nicht helfen. Sie öffneten seinen kleinen Körper und schlossen ihn gleich wieder. Nun stand auch von Seiten der Chirurgen eindeutig fest, dass er ein Neuroblastom hatte. Keine Heilung war geschehen, wie uns der Heilungsbeter weiß machen wollte. Der Krebs war sehr weit fortgeschritten. Wieder war unsere Frage an die Ärzte, wie es jetzt weiterginge: „Sie können eine Chemotherapie machen lassen!“ „Wie hoch ist die Chance auf eine Heilung?“ „Wenn es hoch kommt, bei drei Prozent!“ „Wenn Daniel ihr Kind wäre, würden sie mit ihm diese Chemotherapie machen?“ „Nein.“ Wir dachten genau so. Wir wollten Daniel zu Hause behalten, hier konnten wir mit ihm zusammen sein. Hier konnten wir mit ihm und für ihn beten.

Gott schenkt den Sieg

Auch in dieser Zeit lief der normale Alltag für uns als Hauseltern in der Villa Clusemann weiter. Urlauber kamen und gingen. Doch in diesem Sommer war irgendetwas anders als sonst. Wir hatten drei Urlauber bei uns, die massiv okkult belastet waren. Viele Stunden beteten und rangen wir darum, dass diese Menschen befreit wurden. Und die Mächte wichen. „Treibt böse Geister aus.“, hatte Jesus den Jüngern gesagt. Wir erlebten die Kraft der Befreiung, wie sie die Jünger erlebt hatten. Öfter sangen wir in dieser Zeit das Lied: „Jesus ist der Sieger über Hölle Tod und Teufel, darum preis ich ihn, …“ Gott gab uns Einblicke in die geistliche Welt, wie wir es vorher noch nie erlebt hatten. Gott gab Sieg.

In dieser Zeit sagte ich zu Angelika: „Man müsste eigentlich ein Haus haben, in dem man mehr Zeit hat Menschen, zu helfen, die nicht mehr weiter wissen“. Hiermit begann gedanklich bereits der innere Abschied aus der Arbeit in der Villa Clusemann.

Glaube war da. Mächte der Finsternis wichen, aber auf der anderen Seite ging das Leben von Daniel Tag für Tag seinem Ende näher. Hatten wir dafür zu wenig Glauben?

Manchmal half es mir auf meinen einsamen Spaziergängen einen einzelnen Grashalm zu nehmen. Ich sagte: „Herr, Vater im Himmel, du bist mit diesem Grashalm fertig geworden. Du hast ihn wachsen lassen. Kein Mensch wird je in der Lage sein, einen Grashalm aus dem Nichts heraus zu schaffen. Herr, wenn du das kannst, dann weiß ich, dass du nur ein Wort zu sagen brauchst und unser Daniel wird gesund. Herr, wenn du mit einem Grashalm fertig geworden bist, dann wirst Du es doch auch mit unserer Not.“

So sprach ich mit Gott, aber Gott schwieg. Er antwortete nicht so, wie wir es erhofften, denn es verging ein Tag nach dem anderen und Daniel wurde immer schwächer.

Trotzdem setzten wir ihn in seinen Kinderwagen. Er beobachtete, was draußen vor sich ging und die frische Luft schien im gut zu tun. Dann kam eine Nachbarin zu uns und „bat“ uns, wir möchten doch bitte die Spaziergänge mit unserem Kind unterlassen. Andere hätten sie gebeten, uns das auszurichten. Das Kind wäre ein schrecklicher Anblick für die Anderen.

Hieß das, dass wir uns nun mit unserem Kind einschließen sollten, weil andere nicht an den Tod erinnert werden wollen? Der Tod gehört nun einmal zum Leben und wir sahen, dass es Daniel sichtlich Freude machte draußen zu sein! Also gingen wir weiter mit ihm spazieren, nur gingen wir an Plätze, wo weniger Menschen waren.

Mit unserem ersten Kind hatten wir schon ähnliches erlebt: „Sehen sie nicht, dass das Kind krank ist? Das muss unbedingt ins Krankenhaus. Sehen sie nicht, dass es ganz gelb ist?“ Wir wollten schon sagen: „Ja wissen sie nicht, das jedes dritte Kind ein Chinese ist? Und Chinesen haben nun mal eine gelbe Hautfarbe!“ Doch wir unterließen diese beißenden Kommentare. Vielleicht hätten wir doch manchmal etwas sagen sollen. Es war verständlich: Die Menschen wussten nicht, was wir alles schon getan hatten, damit unsere Kinder gesund würden. Sie hatten schlicht und einfach Angst und wollten deshalb nicht mit Krankheit, Not und Tod konfrontiert werden.

Dankbarkeit

Ich musste in dieser Zeit immer wieder an Epheser 5 denken. Doch ich wollte den Text nicht lesen. Ich sagte, da steht was von der Ehe drin und das hilft mir jetzt sowie so nicht. Es geht schließlich um unser todkrankes Kind und nicht um unsere Ehe. Doch der Gedanke kam mir immer wieder: „Lies Epheser 5.“ Ich las die Bibelstelle nicht. Doch dann nahm ich eines Tages einen Bibelkurs in die Hand und dann wusste ich warum ich Epheser 5 lesen sollte.

Es steht in Epheser 5 ein ungeheuer wichtiger Satz. Es ist der Vers 20: „Sagt Dank allezeit für alles Gott, dem Vater, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ Ich zog die Stirn in Falten. Was verlangt Gott hier von uns? Sagt Gott ein Dankeschön und das immer und für alles. Das kann Gott doch wohl nicht so meinen, sagte ich mir. Ja, diese Forderung machte mich regelrecht zornig. War das nicht unverschämt und gefühlskalt zu fordern, danke zu sagen für alles und das immer?

Ich dankte Gott nicht, aber der Gedanke ließ mich nicht los. Wenn Gott mich durch Paulus aufforderte, ihm allezeit für alles zu danken, dann hatte er sich was dabei gedacht, dann war das nicht so dahergesagt, denn er wollte mir helfen.

Es wühlte in mir. Doch dann fiel mir wieder ein, was Elihu von Hiob gefordert hatte: “ Denk daran, dass du sein Werk preisest.“ (Hiob 36,24) War das nicht eine ähnliche Forderung? War nicht das Elend des Hiob auch ein Werk Gottes? Hatte Hiob nicht bereits diesen Grundsatz befolgt und Gott alle Zeit für alles gedankt als er sagte: „Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“ (Hiob 1,21b)

Elihu hatte Hiob gewissermaßen nur noch einmal ans Danken erinnert.

Ich suchte, was sonst noch übers Danken in der Bibel stand und fand Verse wieder, die mir in der Vergangenheit schon wichtig geworden waren: „Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!“ Psalm 50, 14 und im selben Psalm im letzten Vers heißt es: „Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, das ich ihm zeige das Heil Gottes!“

Da stand in beiden Versen DANK OPFERN. Da ist nicht davon die Rede, dass Danken leicht fallen muss. Da steht, dass danken auch sehr wehtun kann. Opfern ist doch eine Sache, bei der man etwas abgibt und nie wieder zurückverlangt. Das, was ich opfere ist dann nicht mehr mein Eigentum. Und dann stand da, dass Dank opfern ein Weg ist, ein Weg auf dem Gott uns etwas Besonderes zeigt, nämlich sein Heil.

Nun verstand ich etwas mehr vom Danken. Danken musste nicht unbedingt leicht über die Lippen gehen. Danken konnte wirklich alles von mir fordern. So ungefähr wie ich es einmal gedichtet hatte:

Bist du bereit dein Liebstes zu lassen,

das wo am meisten dein Herz dran hängt,

wo nur der Gedanke ans loslassen müssen,

alles in dir zum erbeben bringt.

Wieder las ich in Epheser 5,20: „Saget Dank allezeit für alles, Gott dem Vater“

Ich konnte nicht. Ich wollte auch nicht.

Ich konnte doch nicht sagen: „Herr, ich danke dir dafür, dass unser Kind todkrank ist. Danke, dass es Krebs hat und bald sterben wird!“ Wir hatten doch um Heilung gebetet, darum, dass Gott ein Wunder tun und unser Kind gesund machen würde. Wenn ich Gott jetzt danken würde, dann würde ich ja alles über den Haufen werfen, worum wir vorher gebetet hatten. Es schien mir so widersinnig.

Doch was hatte Hiob gesagt? „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen.“ (Hiob 2,10) War es dann nicht so, das, wenn Gott Böses schickt, es nur Gutes sein kann, weil er denen, die ihn bitten nur Gutes gibt? (Matth. 7,11)

Es wühlte in mir. Ich sah, dass eine Entscheidung von mir gefordert war. War ich bereit für alles zu danken oder nicht? Die Aufforderung: „Sagt Dank allezeit für alles, Gott dem Vater!“ ließ keine Wahlmöglichkeit offen. Ich konnte mich nur dagegen entscheiden. Das wollte ich aber auch nicht. Aber zwingen lassen wollte ich mich auch nicht. Ich fühlte mich unter Druck und kam doch nicht zur Ruhe. Zum Schluss betete ich: „Herr du verlangst von mir, dass ich dir danke. Ich verstehe nicht warum, aber weil du es sagst, darum will ich es tun!“ Ich war verzweifelt, aber ich wollte gehorsam sein und entschied mich jetzt da hindurch zu gehen.

„Herr, ich danke dir, dass unser Kind Krebs hat. Ich danke Dir, dass es todkrank ist. Ich danke dir, dass du das zugelassen hast. Ich danke dir, dass du es bis jetzt nicht geheilt hast!“ So ähnlich habe ich damals gebetet. Die Worte kamen mir sehr schwer über die Lippen, doch dann war ich endlich durch diesen inneren Kampf hindurch.

Wenige Augenblicke später geschah etwas Eigenartiges. Eine Freude durchströmte mich, die ich als völlig unpassend für die Situation empfand. Angesichts unseres todkranken Kindes konnte ich doch nicht so glücklich sein, sagte ich mir. Doch ich war glücklich! Andere, mit denen ich Tage später darüber sprach meinten: „Joachim, sei vorsichtig, du lebst momentan in einer großen inneren Anspannung.“ Aber es war so, die Freude blieb.

Aber was war der eigentliche Grund für diese Freude? Ich entdeckte, dass in dem Augenblick, wo ich Gott Dank opferte – anders kann ich es nicht sagen – meine Rebellion gegen sein zulassen unserer Not gewichen war. Sie war einem Ja zu dem, wie Gott handelte, gewichen. Meine Rebellion wich einem Vertrauen zu Gott.

Ich erkannte aber auch, welch ein Rebell ich bis dahin gewesen war. Trotzdem ich Christ war – trotz meiner Wiedergeburt – war ich ein Rebell gegen Gott gewesen. Nun hatte Gott mir die Augen über mein Herz geöffnet.

Als ich diese Lektion gelernt hatte, sagte ich zu Gott: „Herr du hast mir jetzt die Lektion mit dem Danken – trotzdem beigebracht, kannst du jetzt nicht doch unser Kind gesund machen?“ Aber Gott entschied anders. Er ging seinen Weg mit Daniel weiter und nahm ihn zu sich.

Trotz Trauer über seinen Tot, blieb meine Freude. Ich konnte es selber nicht verstehen. Vielleicht ist das „Trotzdem Danken“ “mein“ Gethsemane. Jesus hatte dort auch im Gebet gefleht: „Herr, wenn es möglich ist, so gehe der Kelch an mir vorüber…, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Als Jesus sich zum einem ganzen inneren „JA VATER“ hindurch gerungen hatte, da hatte er auf einmal wieder eine erstaunliche Sicherheit. Vorher hatte ihn Zittern und Zagen überfallen, jetzt konnte er denen begegnen, die ihn gefangen nahmen. Und wie begegnet er ihnen? doch als einer der agiert und nicht nur reagiert. Der Weg, den er gehen würde, war jetzt klar. Der innere Todeskampf fand in Gethsemane statt.

Unsere Rebellion braucht einen Todesstoß und der ist nur möglich indem wir Gott dank opfern; indem wir Gott danke sagen für alles.

Loslassen

Daniel starb am 8. September 1984 und es tat uns unendlich weh. Wir hatten beschlossen, Mirjam und Samuel zur Beerdigung mitzunehmen. Samuel stellte viele Fragen, doch dann begriff er auf einmal, dass sein Bruder in dem kleinen Sarg lag. Er fing an zu weinen, wie ich noch nie ein Kind mit vier Jahren habe weinen gehört. An diesem Tag wirkte er älter als ein dreijähriges Kind. Er hatte nun keinen Bruder mehr. Beide Brüder waren tot. Wenn ich später seine Freunde sah, dann wurde ich das Gefühl nicht los, dass er immer noch auf der Suche nach seinem Bruder ist.

Wieder standen wir vor einem offenen Grab. Es war dasselbe, in welchem schon Christian lag.

Ich erinnere mich an die Worte, die damals gesprochen wurden: „Wann ist ein Leben erfüllt? Wenn man alt ist? Nein, ein erfülltes Leben hat nichts mit dem Alter eines Menschen zu tun. Ein Leben ist dann erfüllt, wenn Gott mit einem Menschen zu seinem Ziel gekommen ist. Das kann mit 80 Jahren sein oder auch schon mit 1 ½ Jahren“. Gott war mit Daniel und Christian zum Ziel gekommen. Beide starben mit 1 ½ Jahren.

Wir hatten gedacht, dass unsere Kinder den Tot von Daniel verkraftet hatten aber es war nicht so.

Irgendwann im Dezember 1984 wurde Samuel auf einmal wütend. Er stampfte mit dem Fuß auf den Boden und sagte: „Ich will, das Daniel jetzt wiederkommt!“ Wir versuchten ihm klar zu machen, dass Daniel jetzt bei Jesus war. Aber von Worten die man hört, bis zur Annahme der unabänderlichen Tatsache des Todes ist es ein Weg, den jeder selber gehen muss.

Zeit heilt nicht die Wunden. Zeit kann überhaupt keine Wunden heilen, aber in der Zeit erleben wir Neues. Wir bekommen neue Gedanken, die uns helfen Einsicht zu gewinnen. Einsicht hilft uns anzunehmen.

Irgendwann um Ostern 1985 kam Angelika wieder einmal dran, den Kindergottesdienst zu halten. Die vorgegebene Geschichte war „die Tochter des Jairus“. Jesus machte die Tochter des Jairus wieder lebendig. Samuel war auch unter den Kindern. Sollte Angelika diese Geschichte überhaupt erzählen? Sie rang sich durch, es trotzdem zu tun.

Nach dem Kindergottesdienst kam Samuel zu Angelika und sagte: „Jesus hat unseren Daniel doch gesund gemacht!“ Angelika konnte Samuel nicht verstehen, denn, obwohl wir immer um Heilung gebetet hatten, war Daniel nun doch gestorben Wie sollte man das verstehen? Angelika verstand nun Samuel nicht und fragte: „Wie meinst du das, dass Jesus Daniel gesund gemacht hat?“ „Ja, Jesus hat Daniel zu sich in den Himmel geholt und dort hat er ihn gesund gemacht. Jetzt ist er bei ihm und kann dort spielen.“

Angelika war verblüfft. Konnte es eine bessere Erklärung geben für das, was Jesus getan hatte? Sie wäre nicht im Entferntesten auf diese Antwort gekommen. Gott selber hatte sie nun Samuel durch seinen heiligen Geist gegeben.

Ab diesem Zeitpunkt forderte auch Samuel nicht mehr das Wiederkommen von Daniel. Er hatte den Verlust angenommen.

Was schweißt eigentlich zusammen, ist es nicht auch gemeinsam erlebtes Leid?

Wenn Jesus sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, dann ist er doch gemeinsam mit uns durch das Leid gegangen. Dann tut ihm doch auch weh, was uns weh tut. Als er auf der Erde lebte, ist er doch auch nicht am Leid der Menschen vorübergegangen. Das Leid ließ ihn nicht kalt. Und als Stephanus gesteinigt wurde, war Jesus bereits im Himmel und nicht ruhig auf seinen Thron sitzen geblieben, nein, da war er aufgesprungen und stand zur Rechten Gottes.

Ich denke, dass Jesus im Laufe der Zeit schon oft aufgesprungen ist, weil ihm unser Leid bitter wehgetan hat.

Wie geht es uns, wenn ein naher Angehöriger stirbt? Als wir damals in den Tagen, nachdem Daniel gestorben war durch Gmunden gingen, war uns alles fremd geworden. Wir konnten nicht verstehen, dass Menschen lachen konnten. Wir hatten das Gefühl, wir gehörten hier nicht mehr her. Das, was um uns herum geschah, war alles so weit weg.

Ich hatte ja in den Tagen, als Daniel starb, eine Freizeitgruppe zu leiten. Es war wieder eine Berg- und Wanderfreizeit. Ich saß mit den Gästen gerade im Speisesaal, als Angelika schweigend zu mir kam. Sie nahm mich an der Hand und ging mit mir hinüber in unsere Wohnung zu Daniels Bettchen. Ich wusste sofort, was geschehen war. Dort lag er, wie sie ihn am Abend vorher hingelegt hatte. Er war im Schlaf hinübergegangen zu Gott, so wie wir es von Gott erbeten hatten. Wir sahen uns an, nahmen uns in die Arme und konnten nur noch weinen.

Daniel war in dieser Nacht sehr unruhig gewesen. Immer wieder rief er „Mama, Mama“. Jedes Mal stand Angelika auf. Sie konnte einfach nicht mehr. Irgendwann schlief Daniel dann ein. Es war seine letzte Nacht. Angelika wunderte sich am nächsten Tag, dass er so lange schlief. Sie schaute zwischendurch zu ihm aber er lag ruhig in seinem Bettchen und schlief. Sie war froh, dass er nach dieser Nacht so gut schlafen konnte. Als sie dann das nächste Mal zu ihm schaute, entdeckte sie, was geschehen war. Daniel lebte nicht mehr.

Gott wischt alle Tränen ab

Wir riefen den Arzt. Es war der zweite Totenschein, den er in unserer Familie ausstellen musste. Er konnte es nicht fassen. Weinend stand er vor uns. Wir konnten ihn trösten. Gott macht keine Fehler.

Wie geht es Gott dabei? Von Jesus wissen wir durch Stephanus, dass er aufstand von seinem Thron. Aber wie ist Gott? Lässt den Vater im Himmel unser Leid kalt? Ich möchte es mit einem eindeutigen NEIN beantworten. Warum?

1.) Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen, und das Meer ist nicht mehr.

2.) Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet wie eine geschmückte Braut ihrem Mann.

3.) Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein;

4.) und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5.) Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

6.) Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des Lebendigen Wassers

umsonst

7) Wer überwindet, der wird das alles erben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.

Offenbarung 21, die Verse 1-7.

„Wie geht es Gott wenn wir leiden?“, war meine Frage. Was sagt uns der obige Text? Gottes erste Tätigkeit ist, Tränen ab zu wischen.

Wer die Offenbarung durchliest, wird entdecken, dass bis Kapitel 20 Gottes Wille in vielen Fällen durch Engel ausgeführt wird. Er selbst greift in all den Gerichten nie direkt selbst ein. Aber jetzt geschieht etwas anderes, denn das, was Gott hier zuerst selber tut, ist TRÄNEN ABWISCHEN.

“Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.” So wichtig ist für Gott das Trösten.

Das heißt: Gott hat alle unsere Tränen gesehen, all die Nöte, die uns verzweifeln ließen. Und trösten will er nun selber. Dies lässt er nicht die Engel machen. Nein, endlich kann er uns persönlich zeigen, welch ein liebender Vater er ist und die ganze Zeit war.

Wie schmerzhaft muss es für Gott sein, die Seinen auf Erden jetzt noch nicht „zum Angreifen“ trösten zu können. Weil er heilig ist, würden wir vergehen, wenn wir ihn sehen würden. Doch es wird der Tag kommen, da wird das Trösten Gottes erste Tätigkeit sein! Da wird er uns an sich drücken und die Tränen abwischen. Wir sind alle trostbedürftig und wir wissen – nur Gott kann uns den Trost geben, nach dem wir uns sehnen. Wir dürfen wissen: Gottes Sehnen ist es, dich und mich zu trösten und eines Tages wird er es tun. Bei ihm können wir uns endlich einmal ausweinen, wie ein Kind, welches sich mit seinem Schmerz zur Mutter flüchtet.

Aber manche Menschen können oder konnten nicht bei der Mutter weinen. Die Mutter hatte kein Verständnis für ihre Not. Doch bei Gott, dürfen wir die Tränen weinen, die wir hier nie weinen durften und Gott wird sie dir alle abwischen. Er wird uns die Gewissheit geben, dass nie mehr der Tod, noch Geschrei, noch Leid, noch Schmerz kommen wird.

Gott ist es so wichtig, die Seinen zu trösten, dass er es tut, bevor er alles neu macht. Haben wir nicht einen liebenden Vater im Himmel, denn erst nachdem er uns getröstet haben wird, sagt er: „Siehe ich mache alles neu!“

ERINNERUNGEN

Jeder hat Erinnerungen. Jede Stadt hat ein Kriegerdenkmal. Erinnerungen an zigfaches Leid. Um jeden, der dort mit Namen steht, wurden Tränen geweint. Jedes Dorf hat einen Friedhof. Jedes Grab seine Geschichte. Und an jedem Grab wurde geweint.

Und jeder von uns hat Erinnerungen. Erinnerungen an Situationen – Plätze – Orte. Wir erleben schönes und können später über manches noch lachen.

Aber da sind auch Orte, da kommen Erinnerungen hoch, da fangen die Menschen an zu zittern wenn sie daran denken, was dort geschah. Und am Ende der Zeit wird sich der ganze Planet Erde in einen Ort schrecklicher Erinnerungen verwandeln. Es wird dann keinen Ort guter Erinnerungen mehr geben. Und Gott, der uns getröstet haben wird, sagt nun: „Siehe ich mache alles neu!“

Das heißt: Von nun an wird es keinen Ort schrecklicher Erinnerungen mehr geben. Alle diese schrecklichen Orte werden für immer ausgelöscht sein. Es wird kein Denkmal der Sündhaftigkeit des Menschen mehr geben. Wir werden nie mehr an einen Ort kommen und innerlich erzittern. Der Schmerz der Vergangenheit und der Ballast der Vergangenheit werden für immer vorbei sein. Ja und die, die an uns schuldig geworden sind, werden, wenn sie wie du und ich durch das Blut Jesu auch rein geworden sind, mit uns bei Gott sein. Aber, werden da nicht alte Erinnerungen wach? Das mag sein, aber auch dafür hat Gott gesorgt, denn die Blätter vom Baum des Lebens dienen zur Heilung der Völker. (Off. 22,2)

Gott schenkt völlige Heilung. Eines Tages wird auch das schrecklichste Bild aus unserer Erinnerung ausgelöscht sein. „Siehe, ich mache alles neu!“

Aber damit ist Gott noch nicht zu Ende.

Sein heilendes Handeln geht weiter, denn das zweite was er tut ist unseren Durst zu löschen. „Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst.“ (Vers 6) Gott kennt nicht nur unsere Trostbedürftigkeit sondern Gott kennt unseren Durst. An diesen Tätigkeiten Gottes erkennen wir Gottes und unsere Sehnsucht als seine, dass endlich alles neu wird.

Da ist unsere Hoffnung, getröstet zu werden.

Da ist unsere Sehnsucht nach dem Neuen – danach, dass das Alte endlich vorbei ist.

Da ist das Verlangen nach Wasser, das unseren Durst nach Leben stillt. Durst ist schlimmer als Hunger. Gott sieht, wie groß unser Durst ist.

Das emotionale Loch in unserem inneren ist so groß, dass nichts und niemand, (weder Droge noch Alkohol oder Aktivität) diesen Durst stillen kann.

Da ist der Durst: nach verstanden werden.

nach Sicherheit

nach Geborgenheit

nach Bedeutung

nach Liebe

nach Annahme

nach Zuwendung

nach heilen Beziehungen.

Ja, selbst die Gewissheit – ein Kind Gottes zu sein – nimmt uns nicht den Durst, denn wir leben in einer von der Sünde zerstörten Welt. Einer Welt, in der wir einander auch als Gläubige immer wieder verletzen .

Wir haben Durst nach ewigem Frieden und ewigem Heil. Der Heilige Geist gibt uns einen Vorgeschmack (Gal. 5,22 LIEBE, FREUDE, FRIEDE, GEDULD, usw.) aber die Erfüllung ist erst im Himmel.

Gott sieht unseren Durst. Er selbst will und wird unseren Durst stillen. Und nur Gott kann unseren tiefen Durst – dieses Loch in unserem Inneren – stillen.

Wer überwindet, wird alles ererben……

Es geht um mehr, als die Sünde zu überwinden. Es geht um den Verzicht, die Leere des Lebens selber zu stillen und zu warten, bis Gott die Leere – den Durst stillt. Überwinden, das bedeutet Verzicht auf “Seelentröster”. Der Verzicht, auf schnellem Wege die Not selber zu überwinden. Wer überwindet, wird alles ererben… auch Trost von Gott

Aber glauben wir das? Denken wir so von Gott? Glauben wir, dass er uns jetzt hier schon ganz nah ist? Wie nah ist uns Jesus? Glauben wir, dass er mit uns mit leidet? Glauben wir, dass ihm selbst die schmerzhaften Folgen unserer Sünde wehtun, so wie sie uns selber auch weh tun? Glauben wir das? Können wir das so von Jesus denken? Glauben wir, dass er und ich hier auf der Erde bereits EINS sind?

Gleich kommt da unsere Frage: Ja, wenn das so ist, warum tut er dann nichts? Aber wir haben bereits gehört, dass er, wenn er nichts tut, doch genau das Richtige tut. Das Richtige für die unsichtbare Welt und auch das Richtige für uns. Er erwartet nicht, dass wir das verstehen.

Er erwartet nur dass wir ihm vertrauen!


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