In einer Linkskurve geriet ich ins Schleudern, wobei mein Wagen einen Obststand streifte und ich – behindert durch die wild durcheinander purzelnden Bananen, Orangen und Kürbisse – nach dem Umfahren eines Briefkastens auf die andere Straßenseite geriet, dort gegen einen Baum prallte und schließlich – zusammen mit zwei parkenden PKWs – den Hang hinunterrutschte. Danach verlor ich bedauerlicherweise die Herrschaft über mein Auto.
JURISTENMÄRCHEN
10. Januar 2009In unserer Stadt wohnhaft ist eine Minderjährige aktenkundig, welche infolge ihrer hierorts üblichen roten Kopfbedeckung gewohnheitsrechtlich R. genannt zu werden pflegt.
Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R. seitens ihrer Mutter über das Verbot betreffs Verlassung der Waldwege belehrt. Sie begegnete beim Überschreiten des diesbezüglichen Blumen-pflückverbotes einem polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz. Dieser verlangte Einsichtnahme in den zum Transpcrt von Konsumgütern dienenden Korb und traf die Feststellung, daß die R. zu ihrer verwandten Großmutter eilend war. Da beim Wolf Verknappungen auf dem Ernährungssektor vorherrschend waren beschloss er, bei der Großmutter der R. vorsprechig zu werden. Da dieselbe wegen Augenleidens krank geschrieben war, gelang dem Wolf die Täuschungsabsicht, worauf er unter Verschlingung der Bettlägerigen einen strafbaren Mundraub ausführte.
Bei der später eintreffenden R. täuschte er seine Identität mit der Großmutter vor und stellte durch Zweitverschlingung der R. seinen Tötungsvorsatz unter Beweis.
Der auf dem Dienstgang befindliche Förster B. vernahm verdächtige Schnarchgeräusche und stellte deren Urheberschaft seitens des Wolfsmaules fest. Daraufhin gab er einen Schuß auf den Wolf ab. Dieser wurde nach Empfang der Kugel ablebig. Die Beinhaltung des Getöteten weckte in dem Schußabgeber die Vermutung, daß der Leichnam Personen beinhalte. Zwecks diesbezüglicher Feststellung öffnete er unter Zuhilfenahme eines Messers den Kadaver zur Einsichtnahme und stieß hierbei auf die noch lebende R nebst Großmutter.
Der Vorfall wurde von den Brüdern Grimm zu Protokoll gegeben.
Zwei Frösche
10. Januar 2009Der Optimist und der Pessimist.
Ein Frosch, wie es das Schicksal wollt‘
ist in-nen Eimer Milch gerollt.
Er sagte sich als Pessimist:
“Hier hilft dir weder Mut noch List”
“Du bist perdü” er rührt kein Glied,
bis er ersoff und dann verschied.
Ein andrer Frosch fiel ebenfalls
in diesen Eimer bis zum Hals.
Doch dieser Frosch war Optimist.
Er sagte sich: “Wenn‘s auch zwecklos ist,
ich strample was auch immer sei,
der Tod kommt früh genug herbei.”
Er tat genau, wie er’s gedacht
und strampelte die ganze Nacht.
Und als die Sonne wiederkehrt
da fand der Frosch sich unversehrt.
Denn dieser hat in seinen Nöten
die Milch zu Butter festgetreten
Ein sachlicher Brief an eine Versicherung
10. Januar 2009beschränken sie sich dabei auf den eigentlichen Vorgang
Sehr verehrte Versicherung!
Nachdem ich nun im Krankenhaus bin und wieder schreiben kann, muß ich Sie, verehrte Versicherung, bitten, meinen Unfallschaden wie folgt aufzunehmen:
Ich hatte vom Bau meines kleinen Häuschens noch Backsteine übrig und diese wegen der Trockenheit auf dem Speicher gelagert. Jetzt wollte ich aber ein Hühnerhaus bauen und dazu die da oben gelagerten Steine verwenden. Dazu er-dachte ich mir folgende Maschinerie: Der Speicher hatte an der Hauswand eine Tür, woraus ich einen Balken verankerte und daran ein Bälkchen mit einer Rolle, wodurch ich ein Seil laufen ließ. An dem Seil hatte ich eine Holzkiste befestigt, die ich dann hinaufzog. Das Seil hatte ich dann unten an einem Pflock festgebunden.
Jetzt bin ich hinaufgegangen und habe die Steine in die Kiste geladen. Dann bin ich wieder hinuntergegangen und wollte die Steine in der Kiste an dem Seil langsam herunterlassen.
Ich band das Seil los, hatte aber dabei nicht daran gedacht, daß die Steine in der Kiste schwerer waren als meine Person. Als ich bemerkte, daß die Steine so schwer waren, hielt ich das Seil ganz fest, damit die Steine nicht herunterstürzten und kaputtgingen, denn die brauchte ich ja für mein Hühnerhaus. So ist es dann geschehen, daß mich die Steine an dem Seil nach oben zogen, wobei mir die Kiste die linke Schulter aufgerissen hat, als wir uns in der Mitte trafen. Ansonsten bin ich gut an der Kiste vorbeigekommen. Habe aber oben mir meinen Kopf angestoßen und zwar erst an dem Bälkchen und dann an dem Balken. Trotzdem hatte ich aber das Seil festgehalten, damit ich nicht wieder hinunterfalle. In demselben Augenblick ist aber die Kiste mit den Steinen unten auf dem Boden angelangt und durch den heftigen Aufprall ist der Boden herausgebrochen und so konnte es geschehen, daß die Kiste wieder leichter wurde als ich. Die Folge davon war, daß ich als der schwerere Teil wieder nach unten sauste und die Umrandung der Kiste nach oben, wobei wir uns wieder in der Mitte begegneten. Dabei schrammte mir der Kistenrest die rechte Schulter.
Als die Kiste oben war, fiel ich unten so unglücklich auf den Boden, daß ich mir das rechte Bein gebrochen habe und sofort in Ohnmacht fiel. Nur dadurch konnte es geschehen, daß ich das Seil losließ, was wiederum bewirkte, daß die Kiste allerdings ohne Boden wie eine Birne von oben auf mich herabfiel und mich so unglücklich traf, daß ich demnächst oben und unten ein Gebiß angepaßt bekomme.
Daß der Schaden nicht noch größer geworden ist, verdanke ich Ihrem Versicherungsagenten, bei dem ich eine Unfallversicherung unterschreiben mußte und zu der ich nach Wiederherstellung meiner Gesundheit und meiner Zähne die Rechnung einreichen werde. Wenn Sie diese dann begleichen, werde ich Sie in unserem Dorf weiter empfehlen.
Eine ostfriesische Mutter schreibt an ihren Sohn
10. Januar 2009Ich schreibe diesen Brief, damit Du weißt, daß ich noch lebe.
Ich schreibe langsam, weil ich weiß, daß Du nicht so schnell lesen kannst Wenn Du mal wieder nach Hause kommst, wirst Du unsere Wohnung nicht mehr wiedererkennen, wir sind nämlich umgezogen.
In der neuen Wohnung stand schon eine Waschmaschine. Ich tat 14 Hemden hinein und zog an der Kette. Die Hemden habe ich bis heute nicht mehr gesehen.
Vater hat jetzt eine neue Arbeit. Er hat 500 Leute unter sich. Er mäht den Rasen auf dem Friedhof.
Dein Bruder Albert arbeitet jetzt bei VW in Emden. Nicht am Band, er darf frei herumlaufen.
Onkel Otto klagt immer noch über Schmerzen. Ihm ist in der letzten Woche beim Wasser trinken wieder der Klodeckel auf den Kopf gefallen.
Deine Schwester Maria hat gestern ein Baby bekommen. Da wir noch nicht wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, weiß ich nicht, ob Du Onkel oder Tante geworden bist.
Ich verstehe gar nicht, warum die Fotos von Dir noch nicht fertig sind. Ich habe den Film doch schon vor 4 Wochen in ein Entwicklungsland geschickt.
Es hat letzte Woche nur 2 mal geregnet. Erst 3 Tage und dann 4 Tage. Es hat gedonnert, daß unser Huhn 4 mal dasselbe Ei gelegt hat.
Am Dienstag sind wir gegen Erdbeben geimpft worden.
Onkel Willi hat heute Geld zum Finanzamt gebracht. Er hat ihnen gesagt, wenn er in der kommenden Nacht wieder nicht schlafen kann, bringt er noch mehr. Ich muß jetzt Schluß machen, mir ist der Bleistift ausgegangen.
In Liebe,
Deine Mutter
P.S.: Ich wollte Dir noch etwas Geld in den Brief legen, aber leider hatte ich ihn schon zugeklebt!
SCHULAUSATZ Fritzchen schreibt über den Geburtstag seines Vaters
10. Januar 2009Anmerkung: Der Lehrer hatte zur Aufgabe gemacht, keine zusammengesetzten Dingwörter zu gebrauchen.
Der Tag der Geburt meines Vaters
In der vorigen Woche wurde bei uns der Tag der Geburt meines Vaters gefeiert. Schon früh am Morgen des Sonntages begann der Trubel des Festes, als die Kinder der Nachbarn erschienen waren, Sie brachten Sträuße der Blumen und für meine Mutter Pralinen der Schachtel, Die Kinder bekamen Torte des Obstes mit Sahne des Schlages. Dazu tranken sie Saft der Beeren des Johannes. Die Folge war, daß sie unser Klosett des Plumses eifrig benutzen wußten. Da die Kapelle der Musik verhindert war, konnte das Konzert des Platzes nicht stattfinden. Dafür trug meine Schwester ein Stück des Konzertes auf der Flöte des Blockes vor und mein Bruder begleitete sie auf dem Klavier des Schiffers. Zum Essen des Mittags am Tage der Geburt meines Vaters gab es Suppe des Fleisches des Rindes, Braten des Schweines, Kartoffeln des Salzes und Salat des Kopfes. Zum Absohluß gab es eine Bombe des Eises.
Am Nachmittag des Tages der Geburt meines Vaters kamen die Brüder des Gesanges daß Chores der Kirche und auch der Posaune zu uns. Mein Vater bekam von Ihnen zum Tage der Geburt Hemden des Obers und eine Flasche Brandes des Weines. Mutter lud zum Bleiben ein. Es gab Kaffee der Bohne und Milch der Büchse, dazu aßen wir Kuchen des Napfes und Torte der Creme der Butter. Weiter tischte Mutter auf: Stiche. der Bienen, Beutel des Windes, Köpfe der Mohren und Küsse der Neger. Beim essen des Abends gab es Salat der Kartoffel, Eier der Russen, Schnittchen mit Wurst des Blutes und der Leber, Käse der Allgäuer und Stangen des Salzes. Wir Kinder tranken dazu Milch der Butter; die Erwachsenen Wein des Rheines. Auch Bier des Bockes und Wasser der Kirschen der Wälder der Schwarzen war vorhanden. Dann mußten wir aber in die Stube des Schlafes und deckten uns zu mit der Decke der Steppe. Der Halter des Stammes mußte vorher noch auf den Topf der Nacht. Am Morgen nach dem Tage der Geburt meines Vaters krähte der Hahn auf dem Haufen des Mistes und weckte uns alle. Mein Vater hatte den Jammer der Katze. Er aß Heringe des Salzes und Möpse des Rollens. Im Halse hatte er ein Brennen des Sodes. Er nahm Tabletten des Spaltes und verschwand im Zimmer des Bades, um sich zu erfrischen. Er nahm die Bürste des Zahnes und gurgelte mit dem Wasser des Mundes. Anschließend tranken wir alle Kaffee und Vater ging zur Stelle der Arbeit. Wir Kinder gingen zur Schule der Hilfe. Jedenfalls kann ich den Tag der Geburt meines Vaters nicht vergessen.
Die Versuchung
10. Januar 2009Der Gottesdienst in der Dorfkirche war zu Ende. Draußen auf dem Platz blieb man noch für eine kleine Weile zu einem Schwatz in Gruppen zusammen. Wer weit zur Kirche muß und seine Bekannten nicht oft sieht, hat es mit dem Nachhausegehen nicht eben eilig. Der Pastor wollte gerade in die Sakristei zurückgehen, da entdeckte er auf einer Kirchenbank etwas Seltsames: ein Gebiß. Nun, er war selbst schon bei Jahren und wußte gut, daß einem die “dritten” Zähne manchmal zu schaffen machen. Sicherlich hatten sie einen seiner Kirchgänger mitten in der Predigt gestört, und er hatte sie heimlich herausgenommen.
Zimperlich war der Herr Pastor auch nicht. Also griff er beherzt die Fundsache und nahm sie mit nach draußen, wo die meisten Kirchenbesucher noch versammelt standen und fragte unter den Ältesten nach, ob niemand seine Zahnprothese vermisse. Ein altes Mütterchen nickte erfreut mit dem Kopf und streckte die Hand nach dem Gebiß aus.
“Ja, sie sind von meinem Mann!” sagte sie. “Ja, aber…”, wandte der Pastor ein, “ihr Mann ist doch gar nicht hier!”
“Eben darum,” erwiderte das alte Mütterchen, “er kann schon solange nicht mehr zur Kirche kommen. Sie wissen ja, Herr Pastor, seine Beine wollen nicht mehr so recht. Aber immer, wenn ich in der Kirche bin, geht er mir ans Suppenfleisch oder säbelt sich ein Stück vom Braten herunter. Und das darf doch nicht sein, Herr Pastor! Seit ich nun am Sonntagmorgen seine Zähne mitnehme: , ist alles gut. Da kommt er nicht mehr in Versuchung!” Sprach’s, steckte das Gebiß ein und trippelte nach Hause.
DIE KUH Schulaufsatz eines achtjährigen Buben
10. Januar 2009Die Kuh hat dreimal zwei Beine: hinten zwei, links zwei und rechts ebenfalls zwei. Dazu hat sie vier Seiten: links, rechts, oben und unten. Die Oberfläche der Kuh ist überall mit Rindsleder überzogen. Das ist wichtig, denn sonst fiele das Tier auseinander. Ganz vorne ist der Kopf mit den Hörnern und das Maul, damit sie Muuh machen kann. Wo der Kopf ist, ist immer vorne. Befindet sich der Kopf hinten, steht die Kuh verkehrt herum. Hinten ist der Schwanz mit einen Pinsel dran. Damit jagt die Kuh die Fliegen fort, denn sie sollen nicht in die Milch fallen. Die Kuh steht im falschen Verdacht, Milch zu geben. Das ist ein glatter Irrtum! Sie gibt keine Milch, man muß sie ihr nämlich herausnehmen. Die Milch hängt bei der Kuh unter dem Bauch und ist zum Ziehen eingerichtet.
Die Milch wird niemals alle, weil die Kuh immer wieder neue macht. Wie sie das schafft, haben wir in der Schule noch nicht durchgenommen.
Zum Melken benötigen manche einen Melkschemel. Es muß sehr schwer sein, die Kuh zum Sitzen zu überreden. Die Kuh hat auch einen feinen Geruch. Man spürt ihn schon von weitem, denn er macht die gute Landluft aus.
Eine Kuh braucht wenig Nahrung. Denn was sie einmal gefressen hat, das kaut sie solange wieder, bis sie richtig satt ist. Im Sommer frißt die Kuh besonders gern Butterblumen. Das gibt dann die Buttermilch. In der heißen Jahreszeit stehen die Kühe auf den Weiden oft bis zum Bauch im Wasser. Sie tun das, damit die Milch nicht sauer wird. Wenn es aber donnert, wird die Milch eben doch leicht sauer.
Die Männer der Kühe heißen die Ochsen. Aber nicht alle Männer sind Ochsen. Es gibt auch Bullen. Der Ochse sieht genauso aus wie eine Kuh, nur hat er keine Milch im Bauch. Darum ist er auch kein Säugetier. Man braucht ihn deshalb zum Mästen und Schlachten. Der Ochse hat auch einen Schwanz mit Pinsel dran. Der kommt in kleine Schachteln und heißt dann Ochsenschwanzsuppe. Mehr hat uns der Lehrer noch nicht gesagt.
DER MENSCH Schulaufsatz aus dem dritten Schuljahr
10. Januar 2009Der Mensch wird schon im ersten Lebensjahr geboren und kommt dann auf die Welt. Der Mensch zerfällt in drei Teile. Der Kopf geht vom Hut bis zum Hals. Dann kommt das Oberteil, das geht vom Hals bis zum Bauchnabel. Der Nabel ist das kleine Loch im Bauch, wo man den Dreck immer so schlecht rauskriegen kann. Und dann kommt das Unterteil, das geht vom Nabel bis zum Ende. Das Unterteil ist in drei Teile eingeteilt; erstens die Beine, damit der Mensch gehen kann. Die Beine gehen vom unteren Teil des Rückens bis auf die Erde. An den Beinen sind die Füße befestigt. An jedem Fuß sind fünf Zehen also zehn Zehen, wenn beide Füße auseinander gezählt werden. An den Armen heißen die Zehen Finger! Inwendig ist der Mensch hohl, damit Luft rein kann, Essen und Trinken. Der Mensch hat Schönes und Fieses im Bauch. Das Herz ist was Schönes und die Därme was Fieses. Es gibt dicke und dünne Menschen, auch krumme und welche mit Schweißfüßen. Der Mensch ist über die ganze Erde zersplittert, auch über Amerika!
Die Menschen, die etwas verbrochen haben, sitzen im Kittchen. Die anderen laufen frei herum. Ich auch. Es gibt gute und schlechte Menschen. Viele schlechte Menschen nennt man Menschengeschlechter. Der Mensch hat vier Köpfe: Wasserköpfe, Dummköpfe, Dösköpfe und Bubiköpfe. Wenn der Mensch zwei Köpfe hat, nennt man ihn “Siamesischer Zwilling”. Der Mensch hat vier Backen, davon halten sich zwei im Gesicht auf. Alles, was der Mensch zweimal hat, ist an beiden Seiten befestigt. und was er einmal hat, in der Mitte.
Der Mensch hat viele Eigenschaften. Wenn man ihn ärgert, ist er grimmig, wenn man ihn kitzelt, muß er lachen, wenn er krank ist, muß er im Bett liegen. Die Hauptsache am Mensch ist der Kopf. Ohne ihn kann er nicht leben. Darum hat er ihn auch nötig. Der Teil am Kopf, wo der Mensch mit lauert, ist das Gesicht. Mittendrin hat er einen Zinken, den man Nase nennt. Auch Chinesen, Indianer und meine Oma werden zu den Menschen gerechnet. Der Mensch stammt von Adam und Eva ab. Einmal hat einer gesagt, der Mensch stammt vom Affen ab. Das ist aber gelogen. Nur die Fiesen stammen vom Affen ab. Die guten von Adam und Eva.
Der Mensch kann alles: Häuser bauen, Holz klein machen, Mäuse fangen und Zeppeline bauen. Er kann aber auch die Feuerwehr rufen, wenn es nicht brennt. Dann sucht ihn der Schupo und kann ihn nicht finden. Der Mensch kann noch viel mehr. Mein Vater kann mit den Ohren wackeln. Es gibt viele, nein zwei Sorten von Menschen, männliche und gewöhnliche. Die besten fahren mit dem Auto, die gewöhnlichen gehen zu Fuß. Wenn der Mensch groß wird, nimmt er sich eine Frau, die er liebt. Er geht dann irgendwann mit ihr hin. Das nennt man Standesamt. Dort bekommt er einen Schein, damit er Kinder kriegen kann.
Die Waschmaschine
10. Januar 2009Ich wünschte mir schon lange eine Waschmaschine. Ich bin ein Freund des Fortschritts, und die alte Art des Waschens, wie sie schon meine Großeltern liebten, schien mir veraltet. Reinlichkeit aber ist das halbe Leben, und so ging ich in ein Geschäft, mir eine Waschmaschine zu kaufen.
,,Was Soll’s sein?” fragte mich die Verkäuferin. ”Eine Waschmaschine!” ,”Eine Perfekta, eine Elita oder eine Juwelia?” Ich fragte: “Welche ist die Beste?” – “Die Beste ist eine Vollautomatische.” – “Wie funktioniert sie?” – “Alles in einem Arbeitsgang, schmutzig hinein, blütenweiß heraus.” – “Zuverlässig?” –“Genau zuverlässig? Es kann nichts passieren?”
Die Waschmaschine kam ins Haus. Ich freute mich wie ein Kind. “Wohin?” fragten die Männer, die die Waschmaschine brachten. “Ins Schlafzimmer, neben das Barockbett.” Die Männer zuckten die Schultern. Sie waren die sonderbarsten Wünsche gewöhnt. Sie zeigten mit die Bedienungsknöpfe und gingen. – “Gutes Waschen” sagten sie. Es war ein gewohnter Abschiedsgruß.
Jetzt war ich allein mit meiner Waschmaschine, dem Wunder unseres Jahrhunderts. Ich öffnete den Deckel und schaute von oben hinein. Ich beglückwünschte mich, das größte Modell genommen zu haben. Es war ein sehr guter Einfall gewesen, denn es war sehr wenig Platz darin. Ich ging kaum hinein, wie ich feststellte als ich jetzt ausgezogen in sie hineinstieg. Dabei bin ich klein von Statur. Was machten nur die großen Männer und die dicken? Das war jetzt meine Sorge nicht. Ich hatte gut gewählt und saß darin, zwar nicht recht bequem, aber wahrscheinlich gewöhnt man sich mit der Zeit daran!
Ab heute brauchte ich mich nicht mehr selbst zu waschen. Ich hatte eine Waschmaschine, die dies für mich besorgte. Schmutzig hinein und blütenweiß heraus, hatten die freundlichen Verkäufer versprochen. Sogar trocken würde ich herauskommen. Verächtlich blickte ich auf Waschlappen, Seifenschale, Nagelbürste und Handtücher. Ich hatte sie jetzt nicht mehr nötig. Ja, unser Jahrhundert! – Meine Mutter, wenn sie mich jetzt sehen könnte. Sie hätte ihre Freude an mir. Wie oft hatte sie mich gemahnt, Hals und Ohren zu waschen, richtig mit Seife, denn ohne Seife sei die Wäsche keine Wäsche, pflegte sie zu sagen. “Seife macht gesund und pflegt die Haut”. Wie oft hatte ich als Junge zum Waschbecken zurück gemußt und die Prozedur begann von vorne. Jetzt geschah alles mit der Waschmaschine von selbst. Ich betrachtete die Knöpfe. Gewünschte Wärme, stand auf einem. Ich stellte 38 Grad ein. Das ist eine angenehme Temperatur, auf dem zweiten stand “Vorwäsche”. Ich drückte ihn und kroch in das Innere meiner Maschine zurück. Die Prozedur begann. Ich brauchte mich nicht zu bewegen und von allen Seiten strahlte das köstliche Naß auf mich. Ein Wonnegefühl schoß in mir auf, dem ich mich ganz hingab. Ich bereute, mich nicht schon Jahre zuvor einer Waschmaschine bedient zu haben. Zugegeben, die Trommel in der ich saß, drückte ein wenig. Auch schoß mir mancher Wasserstrahl dorthin, wo ich nicht naß werden wollte, aber es war trotzdem eine großartige Sache.
Als ich genug eingeweicht war, hob ich den Kopf heraus, um auf “Waschen” umzuschalten. 0, hätte ich das nie getan! Ich kam gerade zurecht den Kopf einzuziehen, da begann eine tolle Fahrt. Ich wurde herumgeschleudert wie noch nie in meinem Leben. Mal war ich mit dem Kopf unten, unter dem Wasser, mal flog mir das Knie unters Kinn, dann wieder das Bein ins Kreuz. Jetzt hing ich sogar kopfüber in der rasenden Trommel, jetzt wieder Steißunten.
Um mich herum schäumte die Seife, drang mir in Nase, Hund und Ohren bis in die feinsten Poren hinein. – Nun ja, eine Waschmaschine! Man wird gründlich sauber, aber so sauber hatte ich mich mein Leben lang nicht gewaschen.
“Genug” schrie ich, “Hilfe, Hilfe!”, mich hörte niemand. Die rasende Fahrt ging weiter. 10 Oktoberwiesen in einer. Manchem macht das Spaß, mir nicht, jetzt drang die Lauge auch noch in die Augen. Mir wurde übel und elend zugleich. Ich schnappte nach Luft, rang nach Atem. – Vergebens versuchte ich mich in Geflecht der Trommel festzuhalten. Ich armes, elendes Bündel Mensch! Wie sollte ich den Schalter erreichen um wieder abzustellen? Da – in letzter Minute, wie froh war ich eine vollautomatische Waschmaschine gekauft zu haben -sie stand still. Ich fühlte, wie das Wasser unter mit wegfloß. Und jetzt, ganz von selbst fielen die milden Wasser über mich her und die Seife wurde abgespült. Leise schaukelte die Trommel, in der ich saß. Wohlbehagen überkam mich wieder, der Schrecken war überstanden.
Ich gab mich einem leisen Schlummer in dem streichelnden Wassern hin – da, auf einmal erwachte ich durch einen heftigen Stoß Die Trommel hatte sich wieder in Bewegung gesetzt und in neuer, rasender Fahrt wurde ich trocken gewirbelt. – Wie sehnte ich das weiche Prottierhandtuch herbei, eine linde Art, mich trockenzureiben! Hier wurde ich trocken geschleudert! Ich lag wie ein geprellter Frosch ringsum in der Trommel. Immer schneller wurde die Fahrt, immer atemberaubender. Ich haßte Karussels, aber was hier mit mir vorging, das war das Teufelsrad, die Mondrakete und der Schleuderhans ein Kinderspiel dagegen.
Als ich blütenweiß und staubtrocken, selbst hinter den Ohren, meine Waschmaschine wieder verließ, verstand ich die Welt nicht mehr. Fortschritt ist gut, aber nicht in allen Dingen!
Ich kehrte reumütig zu meinem geliebten Stück Seife, zu meinem Frottierhandtuch und meinem Waschlappen zurück. Sollen sich andere in eine Waschmaschine setzen, ich wasche mich ab sofort wieder selbst.
Als meine Frau am Abend heim kam und die Waschmaschine erblickte, fiel sie mir glücklich um den Hals. “Johannes” rief sie, “was bin ich froh eine Waschmaschine zu haben. Jetzt wird das Waschen viel leichter und angenehmer.”
Ich hob warnend den Finger: “Ich weiß nicht”, sagte ich, “versuch‘s erst einmal!”
Verfasst von Joachim Stöbis 