Im Sommer habe ich Geburtstag. Nun war es in unserer Schule Sitte, dass man sich als Geburtstagskind ein Lied aussuchen konnte. Die meisten Schüler ließen sich “Das Wandern ist des Müllers Lust” oder “Am Brunnen vor dem Tore”, vorsingen. Ich wählte immer das Lied:
“So nimm denn meine Hände und führe mich, bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt, wo du wirst gehen und stehen, da nimm mich mit.”
Den Mitschülern wurde das langsam lästig, dass sich der Stöbis schon wieder das fromme Lied wünschte. “Diesmal wählst du dir ein anderes Lied” wurde mir zugezischt. Doch ich sagte: “Das ist mein Geburtstag und ihr werdet mir singen, was ich will!” Beliebt wurde ich mit meiner Liedwahl bei den Mitschülern nicht.
„So nimm denn meine Hände“! Es war mir damals schon sehr wichtig das Gott das letzte Wort in meinem Leben hat. Ich wollte das Richtige tun, aber ich merkte, ich schaffe das nicht allein. Ich brauche jemand der mich an die Hand nimmt und mich führt. Wie sollte ich sonst durchs Leben kommen? Und dieser Jemand konnte für mich kein anderer als Gott selbst sein.
50 Jahre sind vergangen. Das Lied mag ich immer noch. Es ist für mich kein Beerdigungslied, sondern ein Lied fürs Leben bis in die Ewigkeit hinein.
Auch heute, wo ich schon in Rente bin, möchte ich von Gott geführt werden. Da möchte ich auch wissen was Gott von mir will. Gott ist zwar uralt, aber er ist kein Rentner und seine Kinder schickt er auch nicht in Rente. Darum darf ich ihn bitten: „Herr, hilf mir, heute etwas zu tun, was Ewigkeitswert hat.“
So nimm den meine Hände und führe mich
Bis an mein selig Ende und ewiglich!
Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt;
Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.
In deine Gnade hülle mein schwaches Herz,
Und mach es endlich stille in Freud und Schmerz.
Lass ruhn zu deinen Füssen dein schwaches Kind;
Es will die Augen schließen und folgen blind.
Wenn ich auch gar nichts fühle von deiner Macht,
Du bringst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht.
So nimm denn meine Hände und führe mich
Bis an mein selig Ende und ewiglich!
Julie Hausmann
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Verfasst von Joachim Stöbis 






