Südafrika, Land der Weite, der Endlosigkeit, der verschwimmenden Horizonte. Land ungezählter Tiere. Land schwarzer, weißer und farbiger Menschen. Land von allein elf Nationalsprachen. Land des Reichtums und bitterer Armut. Land widersprechender Gefühle zwischen Faszination und Tränen. Land überschwänglicher Freude und Resignation. Land der Sehnsucht. Land der Ruhe und des Lärms. Land millionenfacher Schicksale. Omphile gehört dazu.
Omphile ist 5 Jahre alt und lebt in einem Township. Seine Mutter ist oft weg, weil sie in der großen Stadt, in verschiedenen Haushalten als Reinigungskraft arbeitet. Die Oma passt dann auf ihn auf. Nachmittags kommen seine Geschwister von der Schule. Sein Vater taucht nur sporadisch auf.
Eines Tages wird seine Mutter gebeten das Haus eines ihrer Dienstgeber zu hüten, sie könne ihre Familie mitbringen. Und so wohnte Omphile im Haus von Weissen. Als er sein Zimmer bezog meinte er: „Jetzt bin ich auch ein Weisser!“ Die ersten zwei Tage spielte er mit den Spielsachen der Kinder. Am dritten Tag aber kam er zu seiner Mutter und sagte: Ich will nicht mehr mit Sachen spielen, ich will mit Kindern spielen!
Sachen oder Kinder. Gegenstände oder Beziehung. Wir haben in unserer Wohnung viele Gegenstände. Mit immer mehr Gegenständen verbindet uns eine Geschichte. Reiseerinnerungen, ein Globus vom Urgroßvater, Gemälde vom Großvater und Vater. Es ist schön diese Dinge zu haben, sie erzählen ein Stück Lebensgeschichte, aber was zählt? Besitz, Gegenstände, ein dickes Konto- nein – denn dann würden ja die Reichen satt, aber werden sie jemals satt? Geht nicht das Raffen weiter?
Unsere Beziehungen zählen in unserem Leben: Menschen, die mit uns durch dick und dünn gehen und gegangen sind. Menschen, die Zeit für uns hatten. Aber Menschen gehen – verlassen uns, ja können nicht bei uns bleiben, auch wenn sie möchten, weil sie sterben müssen.
Jesus Christus will Beziehung. Er möchte, dass wir in ihm sind und er möchte in uns sein. (Johannes 15,1-8) Jesus stirbt nicht, er lebt. Es ist schön, wenn er unsere Gebete erhört, aber noch schöner als seine Gaben ist er selber und das eins sein mit IHM. Es stimmt: Beziehungen zählen – nicht Sachen.
Joachim Stöbis

Verfasst von Joachim Stöbis 

